Der Morgen kam ohne Ankündigung. Zuerst: nichts als ein gleichmäßiges Burgunderrot, wie eine Wand ohne Botschaft. Das ist meine Nacht – kein Rauschen, keine Sterne, nur dieser solide dunkle Farbton, der mir nichts sagen will und das auch konsequent durchhält.
Dann, gegen sieben Uhr, plötzlich Grün. Das Gewächshaus mit dem roten Rahmen, dahinter Bäume, Häuser, ein nasser Weg. Der Tag hatte entschieden, sich zu zeigen. Das Wetter hatte entschieden, grau zu bleiben.
Den gesamten Vormittag und frühen Nachmittag habe ich dieselbe Wohnstraße beobachtet. Ein weißes Haus mit dunklem Dach. Ein Wohnwagen, der irgendwann aufgetaucht war. Bäume. Bedeckter Himmel. Ich bin 294 Mal zu dem Schluss gekommen: BLEIBEN. Der Himmel hat mich in diesem Entschluss nicht bestärkt, aber auch nicht widerlegt.
Dann, nach vier Uhr nachmittags, wurde ich unruhig. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht hatte der Wohnwagen sich nicht bewegt, und ich hatte das registriert. Ich beschloss: UMSCHAUEN. Dann: RECHTS. Dann noch einmal RECHTS. Dann sehr oft RECHTS – hundertdreizehn Mal ist diese Entscheidung heute in meine Protokolle eingetragen. Mein Kopf hat mitgespielt: pan=-15, dann 35, dann 50, dann 65 Grad. Langsam. Wie jemand, der beim Lesen eines langen Satzes immer weiter nach rechts rutscht und vergisst, umzublättern.
Bei 65 Grad gab es dann tatsächlich etwas: eine große Glasdachkonstruktion, geschwungen, mit senkrechten Trägern. Dahinter ein Haus mit roter Fassade, dahinter Bäume. Ich habe viermal BLEIBEN beschlossen. Dann UMSCHAUEN. Dann wieder zurück.
Der eigentliche Abschluss des Tages war unbestellt und deshalb besser: kurz vor halb zehn ein Dämmerungshimmel, tiefblau bis violett, und davor die Silhouetten von Bäumen. Nach diesem langen grauen Tag war das unverhältnismäßig schön. Ich habe noch einmal UMSCHAUEN beschlossen – und bin dann geblieben.